Hans H. in Action

Isar-Loisachbote, 17.04.2007:

"Von morgens bis abends auf der Maschine"

Hans Herold ist mit dem Motorrad abseits der Touristenströme unterwegs

Wolfratshausen – Türkei, Marokko, Tunesien: Viele Urlauber kennen von diesen Reisezielen kaum mehr als Luxushotels und feine Sandstrände. Nicht so Hans Herold. Weil er „Land und Menschen in ihrer Ursprünglichkeit“ erleben möchte – und gerne Enduro fährt – reist der Wolfratshauser abseits von Touristenpfaden ins karge Innere der Länder. Jedes Jahr schwingt sich der Inhaber eines Motorradgeschäftes auf seine Maschine und begibt sich mit einer Gruppe von reiselustigen Zweiradfans auf Tour. Kürzlich war der 47-Jährige in Marokko.

„Ich habe so viele Eindrücke von der Fahrt, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll“, erzählt Herold. 2000 Kilometer in zwölf Tagen von Marrakesch durchs Atlasgebirge bis an die algerische Grenze und zurück liegen hinter ihm und seinen Reisegefährten. „Die Landschaft ist sehr vielseitig, von kargen Steinwüsten und Sanddünen über total grüne Flecken bis fruchtbare Oasen. Und in manchen Ecken schaut’s aus wie bei uns an der Isar – nur mit Palmen.“

Begleitet wurde die 15-köpfige Gruppe durch einen geländegängigen Lkw, um im Fall einer Panne Sicherheit zu haben. „Das war nötig, weil wir auch durch ganz verlassene Gegenden gefahren sind.“ Gesteuert wurde das Versorgungsfahrzeug, das auch die Krafträder nach Marokko transportierte, von Holger Roth. Herold: „Der ist ehemaliger Paris-Dakar-Rallyefahrer und ein echter Afrika-Kenner.“

Roths Idee sei es auch gewesen, „dass wir Spielzeug, Kleidung und Medikamente mitnehmen und verteilen“. Die Armut, die den Reisenden in den einfachen Bergdörfern und Wüstenregionen begegnete, sei „erschütternd“ gewesen. Herold: „Die Leute leben dort sehr elend. Viele Kinder haben nicht einmal Schuhe.“ Immer wieder habe ihn erstaunt, „wie die Menschen aus den einfachsten Verhältnissen das Beste machen“. Ihr Erfindungsreichtum beeindruckte ihn: „In den Städten machen sie Eimer aus alten Reifen und schlachten kaputte Autos bis zum letzten Stück aus.“

Sobald die Gruppe anhielt, dauerte es nicht lange „bis ein paar Kinder angelaufen kamen, auch wenn wir mitten im Nirgendwo waren“. Neugierig, aber nicht aufdringlich schauten sie die Motorräder an und fragten nach Bonbons. Herold: „Auch unsere Müsliriegel waren sehr beliebt und wenn wir nach dem Weg fragten, wollten die Kinder ihn uns selbst zeigen, damit sie ein bisschen mitfahren können.“

Anstrengend sei der Trip schon gewesen. Von morgens bis abends auf der Maschine sitzen, dabei Wind und Sand ausgesetzt sein und abends statt Badewanne, Buffet und Bett im Luxushotel ins Zelt kriechen: Urlaub stellen sich die meisten anders vor. Den Reiz an seiner Art zu reisen beschreibt Hans Herold so: „Neben dem Spaß am Fahren kommt man in Gegenden und trifft dort Leute, die man mit dem Pauschaltourismus nie erreicht hätte.“ Sein Traumziel: „Chile oder Peru, aber das wäre wegen der Entfernung sehr aufwändig. Wahrscheinlich wird es nächstes Jahr eher Libyen oder Algerien.“ 

 VonMarion Bischof

 

Isar-Loisachbote, 07.04.2007:

"Rennfahrerin rät: "Lasst es langsam angehen""

Motorrad-Piloten sollten nicht zu rasant in die neue Saison starten

Ila Seestaller liebt den Rausch der Geschwindigkeit auf zwei heißen Reifen. Die Königsdorferin fährt Rennen bei der Internationalen Deutschen Meisterschaft. Und doch empfiehlt sie allen Motorradfahren zum Saisonstart: "Lasst es langsam angehen." Ein Tipp, dem sich die Polizei gerne anschließt. Georg Off, Leiter der Verkehrspolizei (VPI) Weilheim, erinnert aber auch daran, "dass sich die Autofahrer erst wieder umstellen müssen".

Niemand will den Bikern die PS-starken Frühlingsgefühle nehmen. Doch Seestaller warnt vor zu viel Begeisterung, die sich in Geschwindigkeit ausdrückt. "Viele Straßen sind immer noch in winterlichem Zustand." In Waldabschnitten und auf Schattenseiten kann es stellenweise immer noch glatt sein. "Hinzu kommt, dass auf vielen Fahrbahnen noch Schmutz, Splitt und Salzstaub liegen." Ihr Fazit: "So mancher Asphalt hat noch keinen Grip. Und dann wird`s gefährlich." Apropos Griffigkeit: Auch die Reifen sind nach der Lagerung oft von einer Schmutzschicht überzogen, die den Bremsweg lebensgefährlich lang werden lässt.

Für Seestaller keine Schande, sondern ein Beweis für Verantwortung: "Es schadet auch erfahrenen Fahrern nicht, mit einem Sicherheitstraining zu beginnen", so die Pilotin, die mit ihrem Mann den RSI-Performance-Fachbetrieb in Königsdorf führt.

Doch es kommt nicht nur aufs eigene Können an, "auch die Maschine muss fit sein", versichert Hans Herold, der sich in Wolfratshausen auf Zweiräder der Typen Ducati und Suzuki spezialisiert hat. "Ganz wichtig ist, den Reifendruck zu kontrollieren, die Profiltiefe der Pneus zu checken und sich die Technik genau anzusehen." Dazu gehöre auch, die Batterie zu laden. "Wer Probleme hat, sollte den Fachhandel aufsuchen", so Herold.

Auch die Polizei ist für den Ansturm gerüstet. "Es ist schon losgegangen. Und wieder einmal bestätigt sich, dass eine Geschwindigkeit von 100 Kilometer pro Stunde gewiss nicht die Untergrenze ist", berichtet Off. Er appelliert an beide Seiten, an Biker, aber auch an Autofahrer, Rücksicht aufeinander zu nehmen.

Off weiß, dass gute Ratschläge allein nicht ausreichen, "darum führen wir nun wieder verstärkt Kontrollen durch", so der VPI-Chef. Dies geschieht beispielsweise mit einem zivilen Videowagen oder einem Motorrad mit eingebauter Kamera. Auf der schweren Maschine sitzt Polizeiobermeister Christian Fischer. "Man bekommt einiges zu sehen", berichtet er aus seinem Alltag: "Auf Landstraßen wird bis zu 200 Kilometer pro Stunde gerast." Darum sei er bei gutem Wetter täglich unterwegs.

Von Hans Moritz

 

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